Heute startet sie, die Cebit 2010. Neuauflage des jährlichen Technik-Freak-Zusammenkommens, Treffpunkt der Fachleute, Diskussionsforum für Experten, Werbeplattform für Unternehmen… oder auch eben nicht (mehr). Die Messe wird von Jahr zu Jahr kleiner beklagen die Veranstalter, immer weniger Aussteller zeigen Interesse daran, ihre neuesten Produkte und Innovationen der breiten interessierten Masse zu präsentieren. Da stellt sich einem als aufmerksamer Beobachter die Frage: Warum ist das so?
Frage ich mich das selbst, lässt sich die Antwort auf diese Frage schnell finden, doch zunächst etwas zur Vorgeschichte. Wie bereits vor ca. einem Monat von mir berichtet, begann die allgemeine Kartenversorgungsflut gewohnt früh. Geschäftspartner rissen sich förmlich darum, wer einem denn nun ein oder mehrere Fachbesucher-Tickets schenken darf. Es ging zu wie auf dem Basar, wo um die Gunst jedes einzelnen Firmenkunden gebuhlt wird, natürlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: Meet & Greets, Terminabsprachen, Lounge-Angebote etc pp. So ist man als Mitarbeiter einer EDV-Abteilung also bereits Wochen vor dem Event durch einen Haufen Tickets und Terminwünsche schon fast dazu genötigt, den Angeboten nachzukommen und auch ja den Weg nach Hannover auf sich zu nehmen.
Heute sitze ich hier an meinem Schreibtisch. Die Cebit wurde soeben eröffnet. Tickets hätte ich. Möglichkeiten hinzukommen ebenfalls en masse. Aber ich sitze hier. Und überlege nichtmal ansatzweise diese Position für einen Besuch der wohl wichtigsten, erreichbaren Computermessen Europas aufzugeben. Da stimmt doch was nicht! Aber was? Warum bleibt immer mehr Fachpersonal fern?
Die Antwort kann ich jetzt nur subjektiv treffen, manch einer mag es für überspitzt halten, aber ich denke viele meiner “Artgenossen” werden das genauso sehen wie ich. Also, was ist es nun was den ambitionierten Admin von Jahr zu Jahr mehr abhält nach Hannover zu pilgern? Es ist die Gesamtentwicklung der Veranstaltung! Einfach ausgedrückt: Die Cebit verkommt zu einem Massenphänomen, einem Tummelplatz von gefährlichem Halbwissen und Effekthascherei. Rumms!
Zur Erklärung: Sicherlich, eine solche Messe ist dafür da, die Menschen über Neuerungen und Verbesserungen des Marktes zu informieren. Allerdings wird bei der “Auswahl” bzw. Zielgruppenorientierung dieser Menschen ein grundlegender Fehler gemacht. Die eben genannte Effekthascherei. Es wird von Jahr zu Jahr mehr Wert darauf gelegt, den 08/15 Technik-Interessierten mit seinen Angeboten begeistern zu können, worunter die qualitative Tiefe einschneidend leidet. Das lockt zwar immer mehr “Fußvolk”, schreckt aber ernsthaft interessierte eher ab, weshalb ein Besucherartenwandel wohl immer weiter begünstigt wird.
Beispiel:
Cebit 2009, Hannover. Es ist der dritte Tag. Ich und mein Kollege haben uns durch die Massen gekämpft und ein Programm für die Microsoft Vorträge ergattert, in dem wir die für uns interessanten Themen rauspicken und unseren Zeitplan dementsprechend gestalten. Darunter unter anderem: Server 2008, Sharepoint Services, Microsoft Silverlight, Windows 7. Zur vorgegebenen Zeit dort eingetroffen bietet sich uns, zunächst beim Windows 7 Vortrag, das erwartete Bild: Überfüllung pur. Keine Möglichkeit auch nur ansatzweise etwas von dem Vortrag mitzubekommen. Ein erster Rückschlag, der noch zu verkraften ist, da die Auszüge die wir beim Schleichen durch die Reihen aufschnappten mehr als oberflächlich ausfielen und auch das Publikum aus einer entsprechenden Kategorie war: An bunten, bewegten Bildern interessiert.
Mehr versprachen wir uns von den Server- und Sharepoint Vorträgen… und wurden bitter enttäuscht. Was machen ganze (offensichtlich nicht IT-)Schulklassen in einem Vortrag über Server 2008 RCs, Sharepoint- und Exchangeservices? Richtig, Pausenbrote verdrücken und Plätze wegnehmen.
Dieses Bild zieht sich durch die gesamte Veranstaltung: Massen von Menschen, deren einziges Interesse scheinbar darin besteht, einfach nur durch die Gegend zu schlendern und im Weg zu sein, um Wissbegierigen den Zugang zu Informationen zu versperren. Die Cebit entwickelt sich zu einem Schaufenster für die Welt und entfernt sich dadurch meiner Meinung nach immer mehr von der angestammten Bestimmung einer solchen Veranstaltung.
Wie löst man dieses Problem nun auf elegante Weise, sodass beide Seiten, Veranstalter und Besucher nicht zu kurz kommen. Ich hätte da einen Vorschlag zu unterbreiten: Teilt die Cebit! Nicht bereichsweise, sondern terminlich. Es gibt ja schon Fachbesuchertickets, Normalo-Tickets, Pressetickets etc. Auf diesem System ließe sich doch aufbauen. Meinetwegen so: An den ersten 3 Tagen öffnet die Messe nur für Besucher und Inhaber eines Fachbesucher- oder Pressetickets, an den restlichen Tagen, einschließlich Wochenende, für den Rest mit anderen Tickets. Eine Herangehensweise, die für alle Seiten wohl nur Vorteile mit sich bringt! Die Aussteller können ihre Angebote tagesweise entsprechend anpassen, ohne alle Typen von Besuchern abdecken zu müssen. Diese bekommen im Gegenzug die Informationen, die auf sie zugeschnitten sind und die sie sehen wollen.
Mit einer solchen oder ähnlichen Regelung werde ich im nächsten Jahr sicherlich einmal wieder vorbeischauen, erspare mir aber bis dahin die schmerzenden Füße und das lähmende Gefühl am Ende eines anstragenden Tages, nichts wirklich wichtiges gesehen zu haben.









100 % Zustimm !
Ich kaufe ein ‘Ce’, Bitte und möchte auflösen: Scheiße
Ich war dieses Jahr auch das erste Mal dort, aber ich muss dir zustimmen. Richtig interessantes oder relevantes konnte ich nicht entdecken. Ein paar Infos, viel Blabla und Sachen, die ich schon aus der CT’ kannte. Aber nochmals würde ich den Weg nicht gehen. Da sind so viele Leute.
Das einzig nette war: Dank dem Bloggerpresseausweis konnte ich an den Schülern vorbei in den Resellerbereich.
Aber an Inovationen hat es mir auch gemangelt. 2 neue Partner habe ich kennengelernt (Rechnung per E-Mail und Infos über Archivierung).
Da lohnt sich die 4 Stunden Zugfahrt nicht wirklich.